1931-1934

1931

Carlo Mierendorff stellt Joseph Goebbels bloß


23. Februar 1931: Reichstag, Berlin


Mit der rhetorischen Frage nach den Fronterfahrungen von Joseph Goebbels stellt Carlo Mierendorff (SPD) im Reichstag den NSDAP-Abgeordneten bloß.


Hermann Müller stirbt

20. März 1931: Berlin

Hermann Müller (SPD) stirbt am 20. März 1931 an den Folgen einer Gallenoperation. In einem großen Trauerzug erweist die SPD ihrem bis dato letzten Regierungschef die letzte Ehre. 
Es handelt sich zwar nicht um ein offizielles Staatsbegräbnis, ähnelt einem solchen aber sehr. Auf dem Weg durch das Regierungsviertel schließen sich Angehörige der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und des Reichsrates dem Zug an. Lediglich die Reichswehr beteiligt sich nicht. 

Nach Schätzungen sind 300.000 Menschen in diesem Zug unterwegs.


Bernhard Adelung bleibt Staatspräsident

15. November 1931

Bei der Landtagswahl wird die NSDAP erstmals stärkste Kraft mit 37,1%, die SPD stürzt auf 21,4%, das Zentrum erhält 14,3%, die KPD erhält 13,6%, der HBB 2,6%, die DVP 2,3% und der CSVD 2,1%. 
Bernhard Adelung (SPD) bleibt jedoch hessischer Staatspräsident.



Wilhelm Leuschner veröffentlicht Boxheimer Dokumente

26. November 1931: Darmstadt

Als hessischer Innenminister macht Wilhelm Leuschner (SPD) die geheimen Staatsstreichpläne der Nazis mit Hilfe des Vorwärts öffentlich, die sogenannten "Boxheimer Dokumente". Damit düpiert er die NSDAP-Führung,
da sie bemüht ist bürgerliche Parteien als mögliche Bündnispartner zu gewinnen.
Der Vorwärts kommentierte unter der Überschrift „Die Blutpläne von Hessen“:

„Regieren heißt für diese Leute, andere erschießen zu lassen. Ihre Phantasie ist ausgefüllt mit
Hinrichtungsszenen, Lust an Macht ist für sie gleichbedeutend mit Lust an Mord.“

Die Aktion bringt Wilhelm Leuschner (SPD) den Hass der Nazis ein.



Die hessische Landesregierung tritt zurück

8. Dezember 1931: Darmstadt

Aufgrund der hohen Stimmenverluste tritt die hessische Landesregierung (SPD, DDP, Zentrum) am 8.12.1931 zurück. Bernhard Adelung (SPD) bleibt jedoch Staatspräsident des Volksstaats Hessen, da sich keine
Mehrheiten für eine neue Landesregierung finden lassen.



Gründung der Eisernen Front

16. Dezember 1931: Berlin

Die Eiserne Front wird auf Initiative des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold gegründet, in der sich auch der ADGB, der Afa-Bund, der ATSB, sowie die SPD zusammenschließen. Das Bündnis dient dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und als Gegengewicht zur Harzburg Front, einem Zusammenschluss der antidemokratischen Rechten. Die Führung des demokratischen Verteidigungsbündnisses liegt beim SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels und dem Reichsbannervorsitzenden Karl Höltermann (SPD). 

Symbol der Eisernen Front bilden drei Pfeile, welche für die Feinde der Demokratie stehen:
Monarchie, Faschismus und Kommunismus.



SPD löst Jusos auf

1931

Nach innerparteilichen Konflikten über den sozialdemokratischen Kurs gegen Ende der
Weimarer Republik löst die SPD ihre Jugenorganisation auf. 
Ein Großteil der Jugendlichen schließt sich daraufhin der SAPD an. Unter ihnen befindet sich auch Willy Brandt, der aufgrund der Tolerierungspolitik gegenüber den Maßnahmen der konservativen Regierung Brüning mit der SPD bricht und ihnen Mutlosigkeit mit Blick auf gesellschaftliche Veränderungen vorwirft.

1932

Wilhelm Leuschner zu Gast in Groß-Umstadt


3. Februar 1932: Groß-Umstadt

Im Zuge von vermehrten öffentlichen Versammlungen, um gegen den stärker werdenden Einfluss der Nationalsozialisten anzukämpfen, spricht der ehemalige hessische Innenminister Wilhelm Leuschner 
im "Weißen Roß" zur anstehenden Wahl des Reichspräsidenten. 
Zuvor war er „auf der Straße von den dort herumlungernden Nazis angepöbelt worden.“
Die aussichtsreichsten Kandidaten sind der von der SPD unterstützte amtierende Reichspräsident 
Paul von Hindenburg (parteilos) sowie Adolf Hitler (NSDAP).



Bernhard Adelung bleibt Staatspräsident

5. März 1932

Bei dieser letzten Landtagswahl von 1932 wird die NSDAP erneut stärkste Kraft mit 44%, die SPD kommt auf 23,1%, das Zentrum auf 14,5%, die KPD erhält 11%, die Einheitsliste 3,4%, die SAP 1,6% und die DNVP 1,5%. 
Bernhard Adelung (SPD) bleibt jedoch hessischer Staatspräsident. 

Der nächste Landtag wird an das Ergebnis der Reichstagswahl von 1933 gekoppelt und 
dem Ergebnis entsprechend neu gebildet werden.



Reichspräsidentenwahl 1932 - 1. Wahlgang

13. März 1932

Um Adolf Hitler (NSDAP) als Reichspräsidenten zu verhindern, unterstützt die SPD den Amtsinhaber Paul von Hindenburg (parteilos) gemeinsam mit DDP, Zentrum, DVP und BVP, was ihm 49,5% einbringt und somit fast die absolute Mehrheit. Adolf Hitler (NSDAP) erreicht 30,1%, Ernst Thälmann (KPD) unterstützt durch 
seine Partei und die SAPD erreicht 13,2%, Theodor Duesterberg (DNVP) 6,8% und 
Gustav Adolf Winter (Inflationsgeschädigte) erhält 0,3%. 

Damit erreicht keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, wodurch 
ein zweiter Wahlgang am 10.4.1932 notwendig wird.



Reichspräsidentenwahl 1932 - 2. Wahlgang

10. April 1932

Bei diesem Wahlgang erreicht Paul von Hindenburg (parteilos) 53,1% durch die Unterstützung von SPD, DDP, Zentrum, BVP, DVP und Teilen der DNVP und wird somit im Amt des Reichspräsidenten bestätigt. 
Adolf Hitler (NSDAP), der mit Unterstützung der NSDAP und Teilen der DNVP 36,8% erhält, kann somit nicht das Amt des Staatsoberhauptes übernehmen, womit das Kalkül der SPD aufgeht. Auch Ernst Thälmann (KPD), unterstützt durch KPD und SAPD, bleibt mit 10,2% chancenlos.



Preußenschlag - Staatsstreich in Preußen

20. Juli 1932: Berlin

Die geschäftsführende Regierung des Freistaats Preußen aus SPD, Zentrum und DDP unter Ministerpräsident Otto Braun (SPD) wird abgesetzt. Reichskanzler Franz von Papen (parteilos) ersetzt diese durch Reichskommissare seiner Wahl, womit er faktisch selbst zum Ministerpräsidenten Preußens wird (die Landtagswahl vom 24.3.32 
hatte keine Mehrheit hervorgebracht). 

Es wird jedoch von der Landesregierung abgelehnt gegen diesen verfassungswidrigen Staatsstreich Widerstand zu leisten. Durch den Einsatz des Reichsbanners oder Aufruf zum Generalstreik/Ungehorsam fürchtet man einen Bürgerkrieg zu riskieren.



Reichstagswahl 1932

31. Juli 1932

Die NSDAP wird erstmals stärkste Kraft mit 37,4%, die SPD erhält 21,6%, die KPD 14,6%, 
das Zentrum 12,5%, die DNVP 5,9%, die BVP erhält 3,2%, die DVP 1,2% und die DDP erhält 1%. 
Nach dieser Wahl ist die SPD erstmals nicht stärkste Kraft geworden und durch die 
Zersplitterung der Parteien sind keine stabile Mehrheiten möglich, weshalb Reichskanzler 
Franz von Papen (parteilos) durch Notverordnungen weiter regiert.



Reichstagswahl 1932

6. November 1932

Die zweite Reichstagswahl im Jahr 1932 ist nötig geworden, weil Paul von Hindenburg den Reichstag nach einer schweren parlamentarischen Niederlage der Regierung unter Franz von Papen aufgelöst hatte.
Die NSDAP wird mit 33,1% stärkste Kraft, die SPD erhält 20,4%, die KPD 16,9%, das Zentrum 11,9%, die DNVP 8,8%, die BVP 3,1%, die DVP 1,9% und die DDP 1%. 
Die NSDAP verzeichnet deutliche Stimmenverluste, doch der Reichstag bleibt weiterhin ohne Möglichkeit auf Mehrheiten zersplittert. Aus diesem Grund bleibt Franz von Papen (parteilos) Reichskanzler und regiert durch Notverordnungen am Parlament vorbei.



Carlo Mierendorff entwirft das Symbol der Eisernen Front

1932

Carlo Mierendorff (SPD) entwirft mit dem russischen Emigranten Sergej Tschachotin (1883-1973) 
​als Symbol der Eisernen Front die "Drei Pfeile".

1933

Wilhelm Leuschner hält seine letzte öffentliche Rede


19. Februar 1933: Darmstadt

Knapp drei Wochen nach Hitlers "Machtergreifung", hält Leuschner seine letzte öffentliche Rede. 

Er hält sie in Darmstadt, wo er zu Beginn der Weimarer Republik eine zentrale Rolle beim Aufbau freier Gewerkschaften gespielt hat. Er wendet sich gegen die Flucht ins Exil und
ruft die Mitglieder der sozialdemokratischen Eisernen Front dazu auf, an ihren Plätzen zu bleiben,
um "gegen die Zerstörung des Staates durch die NS-Horden" zu kämpfen.



Bernhard Adelung wendet sich gegen Einschüchterung

3. März 1933

Nach einem großen Demonstrationszug der Eisernen Front spricht Staatspräsident Bernhard Adelung (SPD) in der überfüllten Mainzer Stadthalle: "Kein ernsthafter Mensch könne glauben, [...] daß die Sozialdemokratie mit dem Verbrecher, der den Reichstag in Brand steckte, irgendwie in Verbindung gestanden habe." Er fordert mit aller Kraft die Wiederherstellung der Meinungsfreiheit und versichert, dass es in Hessen keinen Bedarf an Hilfspolizei gäbe. 

Adelung (SPD) mahnt sich nicht einschüchtern zu lassen und offen, ehrlich und ohne Furcht sein Bekenntnis auch am Wahltage abzulegen.


Reichstagswahl 1933

5. März 1933

Die Reichstagswahl von 1933 wird vorerst die letzte freie Wahl sein, an der mehr als eine Partei teilnimmt.
Die NSDAP wird stärkste Kraft mit 43,9%, die SPD erhält 18,3%, die KPD 12,3%, das Zentrum 11,3%,
die DNVP 8%, die BVP erhält 2,7%, die DVP 1,1% und die DDP 0,9%. 
Im Wahlkampf sah sich die SPD vielen Übergriffen ausgesetzt und durch die Reichstagsbrandverordnung
wurde neben den Grundrechten praktisch die KPD zerschlagen. 
Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP), am 30.1.1933 von Reichspräsident Hindenburg ernannt,
kann somit durch eine Koalition mit der DNVP auf eine parlamentarische Mehrheit zählen.



Bernhard Adelung wird als Staatspräsident abgesetzt

13. März 1933: Darmstadt

Nach dem Sieg der NSDAP bei den Reichstagswahlen 1933 wird Ferdinand Werner (NSDAP) durch die nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten und das Zentrum am 13. März 1933 zum neuen Staatspräsidenten des Volksstaates Hessen gewählt. Bernhard Adelung (SPD) wird folglich seines Amtes enthoben.



Julius Leber wird inhaftiert

23. März 1933: Krolloper

Nach seiner Wiederwahl in den Reichstag wird Julius Leber (SPD) vor Betreten der Krolloper verhaftet,
um seine Teilnahme an der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz zu verhindern.

Julius Leber (SPD) verbringt 20 Monate im Gefängnis und ist danach als
"gefährlicher Gegner des Regimes" im Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen inhaftiert.



"Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!"

24. März 1933: Krolloper

Bei der Sitzung des Reichstags in der Krolloper wird das Ermächtigungsgesetz mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien verabschiedet. Damit macht sich vor allem auch das Zentrum schuldig Adolf Hitler (NSDAP) diktatorische Vollmachten übertragen zu haben; eine Schande, die später eine Namensänderung nach sich ziehen wird. 

Allein die SPD stellt sich den Nationalsozialisten in den Weg, indem ihre 94 nicht-inhaftierten
Abgeordneten mit NEIN stimmen. Otto Wels liefert sich mit Adolf Hitler eine heftige Debatte,
was das Ende der Weimarer Republik jedoch nicht aufhalten kann.



Johannes Lampe wird als Bürgermeister abgesetzt

27. März 1933: Groß-Umstadt

Am 07.03.1933 wird Bürgermeister Lampe von der SA verboten, das Rathaus zu betreten. 
Am 27.03.1933 und 08.04.1933 wird er vom NS-Reichsinnenminister seines Amtes enthoben
"wegen staatsfeindlicher Gesinnung und Betätigung gegen die NSDAP."



Carl Ulrich stirbt

12. April 1933: Offenbach am Main

Der frühere sozialdemokratische Staatspräsident des Volksstaats Hessens, Carl Ulrich, stirbt in Offenbach.
Ulrich (SPD) hat dem Deutschen Reichstag von 1890 bis 1930, also vierzig Jahre,
fast ununterbrochen als Abgeordneter angehört.



Ende der kommunalpolitischen Arbeit der SPD Groß-Umstadt

22. Mai 1933: Groß-Umstadt

Eine sinnvolle demokratische Arbeit im Gemeinderat ist aufgrund von Hausdurchsuchungen und willkürlichen Beschlagnahmungen nicht mehr möglich. Mit Schreiben vom 22.05.1933 legen die drei sozialdemokratischen Mitglieder des Gemeinderats (Peter Hartmann, Philipp Siegler II. und Georg Reubold) ihr Mandat nieder. 
Drei Kandidaten aus dem Wahlvorschlag der NSDAP rücken nach, womit die
nationalsozialistische Gleichschaltung auf örtlicher Ebene vollzogen wird.



Die SPD wird reichsweit verboten

22. Juni 1933

Am 22. Juni 1933 erklärt der NS-Reichsinnenminister Wilhelm Frick die SPD zur "staats- und volksfeindlichen Partei, die nicht vor hoch- und landesverräterischen Unternehmungen gegen Deutschland
und seine rechtmäßige Regierung zurückschrecke."
Alle führenden Sozialdemokraten werden entweder verhaftet und in Konzentrationslager gebracht oder sind untergetaucht und geflohen. Politische Opposition ist nur noch aus der Illegalität heraus möglich und wirkt oft hilflos. Die neuen Machthaber verstehen sich auf das Geschäft der Einschüchterung
und schrecken vor keiner Brutalität zurück.



Umstädter Sozialdemokraten werden schikaniert

28. Juni 1933: Groß-Umstadt

Am 28.06.1933 verfügt das Hessische Staatspolizeiamt, dass sich Funktionäre der SPD täglich zwei Mal bei der Polizeibehörde zu melden haben. Sollte man dem nicht nachkommen, drohe für diejenigen „Schutzhaft“.
Davon sind betroffen:
Wendelin Brohm, Peter Hartmann, Georg Reubold, Wilhelm Reinhard, Philipp und Wilhelm Siegler. 
Bürgermeister Lampe ist zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in Groß-Umstadt.

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